ENDOTEL ein telemedizinischer Dienst für die Gastroenterologie

 

ENDOTEL ist ein mehrstufiger telemedizinischer Dienst für die gastroenterologische Endoskopie und Endosonographie. Das Projekt wird vom Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie der Technischen Universität München und der II. Medizinische Klinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar durchgeführt. Kooperationspartner sind das Telehaus Stamsried im Landkreis Cham, das als Provider fungiert, und die Universität Regensburg. In den beiden ersten Jahren wurde ENDOTEL mit Mitteln der Telekommunikationsinitiative Bayern Online II durch die Bayerische Staatsregierung und die Europäische Union gefördert. Für weitere drei Jahre wird das Vorhaben im Rahmen der High-Tech-Offensive Bayern fortgesetzt. Derzeit steht einer noch kleinen Anzahl von niedergelassenen Fachärzten und Krankenhausärzten ein Internet-basierter, multimedialer Telekonsultations- und Informationsdienst zur Verfügung.

Das Konzept gliedert sich in die drei Stufen einer Konsultationspyramide (Abb. 1).

Abbildung 1: Konzept der Konsultationspyramide von ENDOTEL

Als Basis der Pyramide steht das Endoskopie-Informationssystem (EIS) zur Verfügung. Es handelt sich dabei um eine permanent verfügbare und kostenlose Informationsquelle im Internet. Diese soll bereits eine große Zahl der Fragestellungen abdecken. Im EIS können diagnosebezogene Referenzbilder und Beispielvideos zu den einzelnen Organlokalisationen des gesamten Gastrointestinaltrakts eingesehen werden. Für die Autoren steht eine separate Oberfläche zur Verfügung. Mit ihr können Mediziner auch selbständig Material in das Informationssystem eintragen. Derzeit wird das System um einführende medizinische Lehrtexte und Expert Guided Tours für jedes Organ ergänzt.

Auf der mittleren Pyramidenebene stellt der ENDOTEL store-and-forward Telekonsultationsdienst (EST) den eigentlichen Kern des Projektes dar. Ärzte in den beteiligten Krankenhäusern und Praxen können einem Kollegen Untersuchungsergebnisse (Videos, Bilder, Voiceclips, Texte) über das Internet zur Verfügung stellen und dessen konsiliarische Meinung einholen. Alle, für die Anfrage benötigten Bestandteile, können mittels integrierter Editoren hinzugefügt werden. Da der Dienst asynchron arbeitet, muß der antwortende Arzt seinen Arbeitsablauf nicht unterbrechen, sondern kann die eingegangene Anfrage zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt bearbeiten. Im Gegensatz zum üblichen Telefonat liegt ihm dabei das relevante Befundmaterial vor. Die Übertragung der Inhalte erfolgt derzeit anonymisiert.

Abbildung 2: Screenshot der Anwendung

Als Spitze der Konsultationspyramide wird mit dem ENDOTEL Video Telekonsultationsdienst (EVT) die Möglichkeit einer direkten synchronen Vidoekonferenz zwischen den beteiligten Partnern im Projekt evaluiert. Dazu werden unterschiedliche digitale Videoformate mit unterschiedlichen Netzwerktechnologien erprobt. Erste Pilotübertragungen wurden bereits durchgeführt.

Von März bis Juli 2001 wurde in einem Feldtest mit sieben Teilnehmern Praktikabilität und Funktionalität des Systems getestet. Insgesamt wurden 38 Konsultationen durchgeführt. Derzeit wird die ENDOTEL-Anwendungssoftware in Richtung auf Marktreife weiterentwickelt. Anschließend soll der Nutzen des Systems in Bezug auf Einsparungen und Behandlungsqualität, sowie die Auswirkungen auf Arbeitsabläufe bewertet werden.

Abbildung 3: Aufgaben der zweiten Projektphase

Für den weiteren Projektverlauf stehen eine Reihe von Aufgabenstellungen (Abb. 3) auf dem Programm. Neben der Ausdehnung des Nutzerkreises sind Schnittstellen zu Diagnostikgeräten und zu bestehenden Clienten-Intranets in Planung. Ein höheres Maß an Sicherheit durch Nutzung des elektronischen Arztausweises zur Authentifizierung im System, sowie die Integration des Health Care Professional Protocol (HCPP) sind vorgesehen. Das Projekt nimmt an der Pilotphase zur Einführung des elektronischen Arztausweises der Bayerischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung teil. Die Einbindung von computerassistierten Visualisierungs- und Entscheidungshilfen (CAD) ist in Arbeit. Ausführliche Informationen stehen im Internet unter der Adresse www.endotel.de zur Verfügung.

Priv.-Doz. Dr. Alexander Horsch

Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Ismaningerstr. 22, 81675 München

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